Lebensnarben…

Mal entstehen Sie innerlich – mal entstehen Sie äußerlich. In einigen Fällen sind Sie offensichtlich, in anderen Fällen bleiben Sie verborgen. Dennoch haben Lebensnarben eins gemeinsam – Sie erzählen eine Geschichte….

Das ist die Geschichte von Sophia:

Sophia war 8 bzw. 9 Jahre alt als Sie mehrere Wochen über Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen klagte. Sie aß nicht mehr richtig und Arztbesuche brachten keine Erkenntnis, was die Ursache sein könnte → eine Odyssee von Arztbesuchen begann.

Nach Wochen der Ungewissheit wurde in einer Kinderklinik ein Tumor am Eierstock (Embryonales Karzinom) im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Schock bei den Eltern mit der bangen Frage:” Was bedeutet das für unsere Tochter?”

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Tumor musste operativ entfernt werden.

Nach der Operation war der Alptraum allerdings noch nicht zu Ende. Die erneute Diagnose lautete: Der Tumor hatte bereits gestreut. Es folgte eine Chemotherapie mit einer erneuten Operation und in Summe  ein über einjähriger Krankenhausaufenthalt mit allen Höhen und Tiefen. Unfreundliche Ärzte und Schwestern mit wenig Einfühlungsvermögen, eine Mutter, die um jeden Schritt in der Therapie hart kämpfen musste, aber auch glückliche Momente, als zum Beispiel die Fäden gezogen wurden und der Spuk eine Ende hatte.

Und heute?

Wenn Ihr Sophia heute fragen würdet, welche Gedanken Sie über diesen Teil Ihres Lebens hat, würde Sie Euch folgendes antworten: “ Gott sei Dank ist diese Krankheit so früh aufgetreten. Als Kind versteht man das ganze Ausmaß nicht und kann es auch nicht einordnen. Insbesondere die Zeit während der Chemotherapie wäre im Erwachsenenalter wesentlich schlimmer zu verkraften gewesen. Für mein zukünftiges Leben wird mir allerdings eine sehr  hohe Fehlgeburtenrate prognostiziert, falls ich mich entschließen sollte, ein Kind zu bekommen. Ob ich mich dem psychisch gewachsen fühle, kann ich heute noch nicht beantworten.” 

Dennoch würde Sophia diese Lebensnarbe niemals kosmetisch entfernen lassen, da dieser “vermeintliche Makel” sie daran erinnert, das die Geschichte auch ein anderes Ende hätte nehmen können → Ihr wurde sozusagen ein zweites Leben geschenkt.

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